Febr 2021

Frau Nadja Weinstein war meine erste Therapeutin überhaupt. Rückblickend kann ich sagen, dass ich mit einer typischen Erschöpfungsdepression („Burn Out“) und einer starken generalisierten Angststörung zu Frau Weinstein kam.

Ich erinnere mich, dass ich zunächst skeptisch war, als Sie mir als Therapeutin zugeteilt wurde wegen des geringen Altersunterschieds. Nach dem ersten Treffen waren die Zweifel allerdings bereits verflogen: trotz oder gerade wegen des geringen Altersunterschieds entwickelte sich schnell eine sehr offene, sehr konstruktive und hilfreiche therapeutische Beziehung. Ich hatte immer das Gefühl alles offen ansprechen zu können und nichts aufgezwungen zu bekommen. Wir haben gemeinschaftlich meine Woche besprochen, Probleme eingegrenzt, Muster benannt und Gegenmaßnahmen entwickelt. Deren Umsetzung haben wir dann über die Zeit der Therapie verfolgt und gegebenenfalls angepasst. Was mir besonders geholfen hat war die Auftrennung des inneren mentalen Dialogs in verschiedene Anteile mit jeweils eigenen Motivationen und Zielen, sowie Übungen zum Entspannen und zum Umgang mit negativen Gedanken. Mir hat die etwas andere, zumeist positivere Sicht auf die Dinge von Frau Weinstein auch geholfen neue Aspekte zu entdecken durch den Perspektiv-Wechsel, auf den man sich im Alltag meist eher selten voll einlassen kann oder möchte. Auch die Rollenspiele aus veränderten Sichtweisen haben mir sehr viel gebracht um meine Ängste vor den Reaktionen anderer zu beschwichtigen.

Am meisten beeindruckt hat mich Frau Weinsteins Feingefühl und Humor. Sie hat mich über ca. 1 Jahr von sehr starker Abneigung und Kämpfen gegen mich selbst (um jeden Preis zum akademischen Erfolg) dazu gebracht wieder auf mich zu achten, auf mich selbst zu hören und die Therapie für mich selbst anzugehen – nicht, um andere nicht zu belasten oder wieder eine bessere Arbeitskraft, Freundin, Tochter zu sein! Letztlich hat mir erst dieser Wandel die Entscheidung ermöglicht mich zeitweise in stationäre Behandlung zu begeben und sogar temporäre medikamentöse Unterstützung anzunehmen – etwas, das ich am Anfang strikt abgelehnt und mich vehement dagegen gewehrt hatte, weil ich ja produktiv sein müsse und „funktionieren“.
Zusammengefasst: Es war für mich ein langer Weg zur Erkenntnis und Bereitschaft mir mehr Hilfe zu suchen und meine Probleme ernster zu nehmen. Frau Nadja Weinstein war dabei als mein erster Kontakt zur langfristigen Therapie maßgeblich an diesem Prozess beteiligt und ich hätte es meiner Meinung nach nicht besser treffen können. Sie hat mich genau da abgeholt, wo ich war, hat mich beruhigt und gefordert, wie es gerade nötig war, mich dazu ermutigt wieder an mich zu glauben und mir selbst wieder etwas wert zu sein, unabhängig von meiner „Produktivität“ im Beruf. Vor allem hat sie mir beigebracht, dass es nicht das oberste Ziel sein sollte zu funktionieren, sondern glücklich zu sein und zu leben. Für mich selbst. Vielen, vielen Dank dafür!

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